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Hypophantasie

Vage, blasse innere Bilder – zwischen Aphantasie und typischer Vorstellung

Inhalt

Hypophantasie ist ein vorgeschlagener Begriff für Menschen, die sich zwar innere Bilder vorstellen können, aber nur vage und blass. In der bislang größten Auswertung mit 9.063 Befragten fielen 3,3 % in diesen Bereich, mehr als bei Aphantasie mit 0,9 % (Wright et al. 2024).

Was ist Hypophantasie?

Stell dir einen Sonnenaufgang vor. Manche Menschen sehen ihn fast wie echt, andere gar nicht. Dazwischen gibt es Menschen, bei denen zwar ein Bild entsteht, aber nur schemenhaft und schwach. Für sie wurde der Begriff Hypophantasie vorgeschlagen: Er beschreibt Menschen, die nach eigener Angabe nur vage und blasse visuelle Bilder erzeugen können (Wright et al. 2024).

Wer den Begriff zuerst verwendet hat, ist nicht sicher geklärt. Wright und Kollegen verweisen dafür auf Reeder und Figueroa (2022); diese Arbeit konnten wir nicht selbst prüfen.

  • Begriff: vorgeschlagen (Wright et al. 2024)
  • VVIQ 17–32
  • Häufigkeit: 3,3 % (Wright et al. 2024)

Ab welchem Wert spricht man von Hypophantasie?

Gemessen wird meist mit dem VVIQ, einem Fragebogen zur Lebhaftigkeit innerer Bilder. Der niedrigste mögliche Wert ist 16, der höchste 80. Wright et al. (2024) haben die Werte so eingeteilt:

Aphantasie160,9 %
Hypophantasie17–323,3 %
Typische Vorstellung33–7489,7 %
Hyperphantasie75–806,1 %

Warum gerade 32? Ein Gesamtwert von 32 entspricht der Antwort „vage und blass“ bei jeder einzelnen Frage. Schwache visuelle Vorstellung wird in der Forschung deshalb meist als VVIQ-Wert von 32 oder weniger bestimmt (Dawes et al. 2020).

Die Grenzen sind nicht einheitlich

Nicht jede Studie zieht die Linie gleich. Zeman et al. (2020) zählten VVIQ-Werte von 16–23 zur Aphantasie (16 extrem, 17–23 moderat). Ein Wert zwischen 17 und 23 gilt also je nach Studie als Hypophantasie oder als moderate Aphantasie. Wright et al. (2024) schreiben selbst, dass Vergleiche schwierig bleiben, weil Studien unterschiedliche und oft scheinbar willkürliche Punktbereiche verwenden.

Wie häufig ist Hypophantasie?

Hypophantasie
3,3 %
9.063 Befragte, 95-%-Konfidenzintervall 3,0–3,7 %
in Studie 1
3 %
3.049 Befragte
mittlerer VVIQ-Wert
57
Median aller 9.063; die mittlere Hälfte lag zwischen 49 und 65

Die 9.063 Befragten stammen aus drei Datensätzen: 3.049 aus der eigenen Studie von Wright et al., 1.004 aus Dance et al. (2022) und 5.010 aus Beran et al. (2023). Alle Anteile gelten nur für die oben genannte Einteilung nach VVIQ-Punkten (Wright et al. 2024).

Eine Übersichtsarbeit fasst es ähnlich zusammen: Etwa 1 % der Bevölkerung hat eine ausgeprägte Aphantasie mit dem niedrigsten VVIQ-Wert (16/80), während 2–6 % innere Bilder haben, die bestenfalls „vage und blass“ sind, mit VVIQ-Werten von 32/80 oder weniger (Zeman 2024).

Hypophantasie und Aphantasie: Wo liegt der Unterschied?

Aphantasie

VVIQ 16

In der Einteilung von Wright et al. (2024) nur der niedrigste mögliche Wert. Willentlich entstehen praktisch keine inneren Bilder.

Hypophantasie

VVIQ 17–32

Innere Bilder entstehen, sind aber im Durchschnitt höchstens „vage und blass“.

Die Grenze zwischen beiden ist eine Festlegung der Forschung, keine scharfe Trennlinie im Erleben. Manche Studien fassen Aphantasie und schwache Vorstellung zusammen (Dance et al. 2022). Hypophantasie ist eine Beschreibung von Fragebogenwerten, keine Diagnose. Auch lebenslange Aphantasie gilt nicht als Störung (Zeman et al. 2020).

Grenzen der Forschung

  • Alle Anteile beruhen auf Selbstauskünften in einem Fragebogen (Wright et al. 2024).
  • Die Grenzen zwischen Aphantasie, Hypophantasie und typischer Vorstellung sind von Studie zu Studie verschieden.
  • Wer den Begriff Hypophantasie geprägt hat, ist nicht sicher geklärt.

Häufige Fragen zu Hypophantasie

Was ist Hypophantasie und worin unterscheidet sie sich von Aphantasie?

Hypophantasie ist ein vorgeschlagener Begriff für Menschen, die nur vage und blasse innere Bilder erzeugen können. Bei Aphantasie entstehen willentlich praktisch keine Bilder. In der Einteilung von Wright et al. (2024) entspricht Aphantasie einem VVIQ-Wert von 16, Hypophantasie 17–32.

Ab welchem VVIQ-Wert spricht man von Hypophantasie?

Nach Wright et al. (2024) bei 17–32 von 80 Punkten. 32 entspricht der Antwort „vage und blass“ bei jeder Frage (Dawes et al. 2020). Andere Studien ziehen die Grenzen anders, etwa Zeman et al. (2020), die 17–23 noch als moderate Aphantasie zählen.

Wie häufig ist Hypophantasie?

In der zusammengeführten Stichprobe von 9.063 Personen lag der Anteil bei 3,3 %, in Studie 1 mit 3.049 Personen bei 3 % (Wright et al. 2024).

Welcher VVIQ-Wert ist durchschnittlich?

Der Median aller 9.063 Befragten lag bei 57 Punkten; die mittlere Hälfte lag zwischen 49 und 65 (Wright et al. 2024).

Warum nennen manche Studien 3,9 % Aphantasie, andere 0,9 %?

Weil sie Unterschiedliches zählen. Dance et al. (2022) kamen auf 3,9 %, zählten aber Menschen mit ganz fehlender oder deutlich eingeschränkter Vorstellung zusammen, also Aphantasie und schwache Vorstellung. Wright et al. (2024) zählten nur den niedrigsten VVIQ-Wert 16 als Aphantasie und kamen so auf 0,9 %.

Wissenschaftliche Quellen

  1. Wright, D. J., Scott, M. W., Kraeutner, S. N. et al. (2024). An international estimate of the prevalence of differing visual imagery abilities. Frontiers in Psychology, 15, 1454107. doi:10.3389/fpsyg.2024.1454107
  2. Zeman, A. (2024). Aphantasia and hyperphantasia: exploring imagery vividness extremes. Trends in Cognitive Sciences, 28(5), 467–480. doi:10.1016/j.tics.2024.02.007
  3. Dawes, A. J., Keogh, R., Andrillon, T. & Pearson, J. (2020). A cognitive profile of multi-sensory imagery, memory and dreaming in aphantasia. Scientific Reports, 10, 10022. doi:10.1038/s41598-020-65705-7
  4. Dance, C. J., Ipser, A. & Simner, J. (2022). The prevalence of aphantasia (imagery weakness) in the general population. Consciousness and Cognition, 97, 103243. doi:10.1016/j.concog.2021.103243
  5. Zeman, A., Milton, F., Della Sala, S. et al. (2020). Phantasia – The psychological significance of lifelong visual imagery vividness extremes. Cortex, 130, 426–440. doi:10.1016/j.cortex.2020.04.003

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