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Träumen Menschen mit Aphantasie?

Was Studien über Träume ohne inneres Auge berichten

Inhalt

Ja, die meisten schon, und oft sogar in Bildern. In der größten Befragung gaben 63,4 % der Menschen mit Aphantasie an, visuell zu träumen (Zeman et al. 2020). Träume ohne Bilder und fehlende Traumerinnerung kommen bei Aphantasie aber häufiger vor als bei anderen Menschen.

Die kurze Antwort

Menschen mit Aphantasie können sich wach keine Bilder willentlich vorstellen. Im Schlaf sieht das oft anders aus. Eine Übersichtsarbeit fasst zusammen: Die Mehrheit der Menschen mit Aphantasie hat Träume mit visuellen Eigenschaften. Träume ohne Bilder und fehlende Traumerinnerung werden aber häufiger beschrieben als bei Menschen mit typischer oder sehr lebhafter Vorstellung (Zeman 2024).

Schon die erste Aphantasie-Studie bemerkte das: Die meisten Teilnehmenden beschrieben unwillkürliche Bilder, im Wachzustand meist als kurze „Blitze“ (10 von 21) und/oder in Träumen (17 von 21). Von 11 Personen, die beim Ausfüllen des VVIQ-Fragebogens gar keine Bilder angaben, berichteten 10 von unwillkürlichen Bildern im Wachzustand und/oder in Träumen (Zeman et al. 2015).

Was die Forschung zeigt

Die bislang größte Befragung stammt von Zeman et al. (2020) mit 2.000 Menschen mit Aphantasie (VVIQ 16–23):

träumen visuell
63,4 %
Menschen mit Aphantasie
träumen ohne Bilder
20,7 %
Menschen mit Aphantasie
träumen gar nicht
7,5 %
nach eigener Angabe

Nicht zusammenzählen

Die drei Zahlen stammen aus unterschiedlichen Auswertungen derselben Studie und ergeben zusammen nicht 100 %. Sie lassen sich deshalb nicht miteinander verrechnen.

träumt visuell63,4 %89 %98,5 %
träumt ohne Bilder20,7 %6,5 %0,5 %
träumt gar nicht7,5 %0,5 %0 %

Vergleichsgruppe: beim visuellen Träumen Menschen mit mittlerer Lebhaftigkeit der Vorstellung, bei den anderen beiden Angaben die Kontrollgruppe der Studie. Quelle: Zeman et al. (2020).

Eine zweite Studie verglich 267 Menschen mit Aphantasie mit 203 Vergleichspersonen. Die Aphantasie-Gruppe berichtete deutlich seltener von nächtlichen Träumen. Ihre Träume waren in allen Sinnen weniger sinnlich, auch bei Geruch, Tasten, Geschmack und Hören, und seltener luzide. Die Autorinnen und Autoren fassen zusammen: weniger Träume, die zudem ärmer an Eindrücken sind (Dawes et al. 2020).

Wie fühlen sich Träume ohne Bilder an?

Wer ohne Bilder träumt, träumt nicht unbedingt „leer“. Die Teilnehmenden mit nicht-visuellen Träumen beschrieben Trauminhalte als Handlung, als Text, als Gedanken und Bedeutungen, als Klänge und als Gefühle (Zeman et al. 2020).

  • Handlung und Geschichte
  • Text und Worte
  • Gedanken und Bedeutungen
  • Klänge
  • Gefühle

Eine neue Studie findet, dass die Sinneseindrücke in den Träumen von Menschen mit Aphantasie meist dem entsprechen, was sie sich wach willentlich vorstellen können. Die Unterschiede zwischen einzelnen Menschen sind aber groß (Arnold, Bouyer & Monzel 2026).

Wie kann man im Traum sehen, aber wach nicht visualisieren?

Eine Erklärung: zwei verschiedene Wege

Zeman et al. (2020) vermuten, dass Träumen ein Vorgang „von unten nach oben“ ist, der vom Hirnstamm aus gesteuert wird. Willentliches Vorstellen dagegen läuft „von oben nach unten“. Wenn nur der zweite Weg schwächer ist, können Traumbilder trotzdem entstehen. Das ist eine Hypothese, kein Nachweis.

Eine Gegenposition

Krempel und Monzel (2024) weisen darauf hin, dass einige Studien auch unwillkürliche Vorstellungen bei Aphantasie verändert finden, darunter Traumbilder. Sie schlagen vor, Aphantasie als eingeschränkte Fähigkeit zu verstehen, innere Bilder zu erzeugen, ob willentlich oder nicht.

Grenzen der Forschung

  • Alle Zahlen beruhen auf Selbstauskünften. Studien mit Traumtagebüchern oder im Schlaflabor haben wir nicht gefunden.
  • Die Anteile aus Zeman et al. (2020) stammen aus verschiedenen Auswertungen und dürfen nicht zu 100 % aufaddiert werden.
  • Zwischen einzelnen Menschen mit Aphantasie unterscheiden sich Träume stark (Arnold, Bouyer & Monzel 2026).
  • Warum viele Menschen mit Aphantasie in Bildern träumen, ist nicht geklärt; es gibt nur Erklärungsansätze.

Lebenslange Aphantasie gilt nicht als Störung (Zeman et al. 2020). Ob du in Bildern träumst oder nicht, sagt nichts über deine Gesundheit aus.

Häufige Fragen zu Träumen und Aphantasie

Träumen Menschen mit Aphantasie in Bildern?

Die meisten ja. In der größten Befragung gaben 63,4 % der Menschen mit Aphantasie an, visuell zu träumen (Zeman et al. 2020). Schon in der ersten Studie berichteten 17 von 21 Teilnehmenden von Bildern in Träumen (Zeman et al. 2015).

Wie viele Menschen mit Aphantasie träumen gar nicht oder ohne Bilder?

In der Befragung von Zeman et al. (2020) gaben 20,7 % an, ohne Bilder zu träumen, und 7,5 %, gar nicht zu träumen. In der Kontrollgruppe waren es 6,5 % und 0,5 %.

Wie kann man im Traum sehen, aber wach nicht visualisieren?

Eine Hypothese: Träume entstehen „von unten nach oben“ aus dem Hirnstamm, willentliches Vorstellen „von oben nach unten“ (Zeman et al. 2020). Andere Forschende halten auch unwillkürliche Bilder bei Aphantasie für eingeschränkt (Krempel & Monzel 2024). Geklärt ist das nicht.

Wie fühlen sich Träume ohne Bilder an?

Menschen mit nicht-visuellen Träumen beschreiben sie als Handlung, Text, Gedanken, Klänge und Gefühle (Zeman et al. 2020). Insgesamt berichten Menschen mit Aphantasie von Träumen, die in allen Sinnen weniger sinnlich sind (Dawes et al. 2020).

Träumen Menschen mit Aphantasie seltener?

Nach eigener Angabe ja: In einer Studie mit 267 Menschen mit Aphantasie und 203 Vergleichspersonen berichtete die Aphantasie-Gruppe deutlich seltener von nächtlichen Träumen (Dawes et al. 2020). Auch fehlende Traumerinnerung wird bei Aphantasie häufiger beschrieben (Zeman 2024).

Wissenschaftliche Quellen

  1. Zeman, A., Dewar, M. & Della Sala, S. (2015). Lives without imagery – Congenital aphantasia. Cortex, 73, 378–380. doi:10.1016/j.cortex.2015.05.019
  2. Zeman, A., Milton, F., Della Sala, S. et al. (2020). Phantasia – The psychological significance of lifelong visual imagery vividness extremes. Cortex, 130, 426–440. doi:10.1016/j.cortex.2020.04.003
  3. Dawes, A. J., Keogh, R., Andrillon, T. & Pearson, J. (2020). A cognitive profile of multi-sensory imagery, memory and dreaming in aphantasia. Scientific Reports, 10, 10022. doi:10.1038/s41598-020-65705-7
  4. Zeman, A. (2024). Aphantasia and hyperphantasia: exploring imagery vividness extremes. Trends in Cognitive Sciences, 28(5), 467–480. doi:10.1016/j.tics.2024.02.007
  5. Arnold, D. H., Bouyer, L. N. & Monzel, M. (2026). Heterogeneous relationships between the multisensory content of aphantasics' dreams and their volitional waking imagined experiences. Scientific Reports. doi:10.1038/s41598-026-56386-9
  6. Krempel, R. & Monzel, M. (2024). Aphantasia and involuntary imagery. Consciousness and Cognition, 120, 103679. doi:10.1016/j.concog.2024.103679

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