Aphantasie Glossar
Umfassendes Glossar zu Aphantasie, Hyperphantasie und verwandten neurowissenschaftlichen Begriffen. Verständliche Definitionen für alle Fachbegriffe.
- Begriffe
- 20
- Kernbegriffe
- 5
- Neurowissenschaft
- 4
- Weitere
- 11
Kernbegriffe
Zentrale Begriffe rund um Aphantasie, Hyperphantasie und visuelle Vorstellung.
- AphantasieAphantasie ist die Unfähigkeit, willentlich mentale Bilder zu erzeugen. Menschen mit Aphantasie können sich Gesichter, Orte oder Objekte nicht visuell vorstellen, obwohl sie diese erkennen und beschreiben können. Der Begriff wurde 2015 vom Neurologen Adam Zeman geprägt.
- HyperphantasieHyperphantasie bezeichnet die Fähigkeit zu extrem lebhaften, fotorealistischen mentalen Bildern. Menschen mit Hyperphantasie können sich Szenen so detailliert vorstellen, dass die inneren Bilder fast mit echter Wahrnehmung verwechselt werden können.
- HypophantasieHypophantasie ist ein vorgeschlagener Begriff für Menschen, die sich zwar innere Bilder vorstellen können, aber nur vage und blass. In der bislang größten Auswertung mit 9.063 Befragten fielen 3,3 % in diesen Bereich, mehr als bei Aphantasie mit 0,9 % (Wright et al. 2024).
- ProphantasieProphantasie bezeichnet die Projektion mentaler Bilder in den realen visuellen Raum. Menschen mit Prophantasie sehen ihre Vorstellungen quasi vor sich, als wären sie in die Umgebung eingeblendet.
- Multisensorische AphantasieMultisensorische Aphantasie bezeichnet das Fehlen von Vorstellungen in mehreren oder allen Sinnesmodalitäten, nicht nur im visuellen Bereich. Betroffene können sich auch keine Klänge, Gerüche oder Berührungen vorstellen.
Neurowissenschaft
Neurowissenschaftliche Begriffe: Gehirnregionen und Prozesse bei der visuellen Vorstellung.
- Visueller KortexDer visuelle Kortex ist der Bereich der Großhirnrinde, der visuelle Informationen verarbeitet. Er befindet sich im Hinterkopf (Okzipitallappen) und ist sowohl für das Sehen als auch für die visuelle Vorstellung zuständig.
- Präfrontaler KortexDer präfrontale Kortex ist der vorderste Teil des Frontallappens und steuert exekutive Funktionen wie Planung, Entscheidungsfindung und Impulskontrolle. Er initiiert und kontrolliert auch mentale Bilder.
- Default Mode NetworkDas Default Mode Network (DMN) ist ein Netzwerk von Gehirnregionen, das bei Tagträumen, Selbstreflexion und mentaler Zeitreise aktiv ist. Erste Studien deuten bei Menschen mit Aphantasie auf veränderte Aktivierungsmuster hin (Hypothese, noch nicht abschließend belegt).
- SynästhesieSynästhesie ist eine neurologische Besonderheit, bei der die Stimulation eines Sinnes automatisch Erfahrungen in einem anderen Sinn auslöst. Zum Beispiel können Buchstaben als Farben wahrgenommen werden.
Psychologie
Psychologische und kognitive Begriffe im Kontext von Aphantasie und Gedächtnis.
- Mentale BilderMentale Bilder sind innere visuelle Vorstellungen, die ohne äußeren Reiz entstehen. Sie ermöglichen es, Objekte, Szenen oder Personen vor dem „inneren Auge“ zu sehen, etwa beim Erinnern, Träumen oder Planen.
- Mind's Eye (Inneres Auge)Das 'Mind's Eye' oder „innere Auge“ ist die metaphorische Bezeichnung für die Fähigkeit, mentale Bilder zu erzeugen und zu betrachten. Es beschreibt das subjektive Erleben des visuellen Vorstellens.
- SDAM (Severely Deficient Autobiographical Memory)SDAM ist eine Gedächtnisstörung, bei der episodische autobiografische Erinnerungen stark eingeschränkt sind. Betroffene können sich nicht mental in vergangene Erlebnisse zurückversetzen, obwohl faktisches Wissen erhalten bleibt.
- Eidetisches GedächtnisEidetisches Gedächtnis bezeichnet die Fähigkeit, Bilder oder Szenen nach kurzem Betrachten mit fotografischer Genauigkeit im Gedächtnis zu behalten. Es ist das Gegenteil von Aphantasie.
- Image StreamingImage Streaming ist eine Visualisierungstechnik, bei der spontan entstehende innere Bilder laut beschrieben werden. Sie wird als mögliches Training für Menschen mit Aphantasie diskutiert.
- Episodisches GedächtnisDas episodische Gedächtnis speichert autobiografische Erinnerungen an persönliche Erlebnisse mit Orts-, Zeit- und emotionalem Kontext. Es ermöglicht „mentale Zeitreisen“ in die eigene Vergangenheit.
- Prosopagnosie (Gesichtsblindheit)Prosopagnosie ist die Unfähigkeit, Gesichter zu erkennen oder zu unterscheiden. Sie tritt häufiger bei Menschen mit Aphantasie auf und kann angeboren oder durch Hirnschäden erworben sein.
Forschung
Forschungsmethoden und wissenschaftliche Instrumente zur Untersuchung von Aphantasie.
- VVIQ (Vividness of Visual Imagery Questionnaire)Der VVIQ ist ein standardisierter Fragebogen zur Messung der Lebhaftigkeit visueller Vorstellungen. Er besteht aus 16 Items, bei denen Teilnehmer ihre Fähigkeit zur Visualisierung auf einer 5-Punkte-Skala bewerten.
- Binocular RivalryBinocular Rivalry ist ein visuelles Phänomen und Testverfahren, bei dem jedem Auge ein unterschiedliches Bild gezeigt wird. Die Wahrnehmung wechselt zwischen beiden Bildern, beeinflusst von mentaler Vorstellung.
- PSIQ (Plymouth Sensory Imagery Questionnaire)Der PSIQ ist ein Fragebogen, der die Vorstellungsfähigkeit über sieben Modalitäten misst: visuell, auditiv, olfaktorisch, gustatorisch, taktil, körperliche Empfindung (Bodily Sensation) und emotionale Fühlung (Emotional Feeling). Er ist umfassender als der rein visuelle VVIQ (Andrade et al. 2014, doi:10.1111/bjop.12050).
- Adam ZemanAdam Zeman ist ein britischer Neurologe und Professor an der University of Exeter, der 2015 den Begriff „Aphantasie“ prägte und die wissenschaftliche Erforschung dieses Phänomens maßgeblich vorantreibt.
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